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E-Invoicing-Formate UBL, CII, ZUGFeRD und Factur-X im Vergleich

UBL, CII, ZUGFeRD, Factur-X: Die E-Invoicing-Formate endlich verständlich erklärt

Daniel Gorski
Daniel Gorski 21. Juli 2026
5 Min. Lesezeit

UBL? CII? ZUGFeRD? Factur-X? Wer sich das erste Mal mit E-Invoicing beschäftigt, ertrinkt in Abkürzungen.

Die gute Nachricht: Dahinter steckt kein Chaos, sondern ein überraschend logisches System. Man muss nur wissen, welches Format welches Konzept verfolgt.

Diese Formate werden häufig miteinander verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Konzepte verfolgen. Der wichtigste Unterschied ist, dass UBL und CII reine XML-Datenformate sind, während Factur-X und ZUGFeRD Hybridformate aus PDF und XML darstellen.

Die Übersicht auf einen Blick

Format Was ist es? Enthält PDF? XML-Standard
UBL XML-Rechnungsformat ❌ Nein UBL
CII XML-Rechnungsformat ❌ Nein UN/CEFACT CII
Factur-X PDF + eingebettete XML ✅ Ja CII
ZUGFeRD 2.x PDF + eingebettete XML ✅ Ja CII

Klingt erstmal übersichtlich – ist es auch. Gehen wir die vier Formate einzeln durch.

UBL (Universal Business Language)

  • Entwickelt von OASIS
  • XML-Format für viele Geschäftsdokumente (Rechnungen, Bestellungen, Lieferscheine usw.)
  • In vielen europäischen Ländern verbreitet

Wird z. B. genutzt von:

  • Peppol BIS Billing
  • Dänemark
  • Norwegen
  • Belgien
  • Niederlande
  • Teile des britischen Marktes

Beispiel:

<Invoice>
    <cbc:ID>12345</cbc:ID>
    ...
</Invoice>

CII (Cross Industry Invoice)

  • Entwickelt von UN/CEFACT
  • Ebenfalls ein XML-Rechnungsformat
  • Besonders in Deutschland und Frankreich verbreitet
  • EN16931-konform

Beispiel:

<rsm:CrossIndustryInvoice>
    ...
</rsm:CrossIndustryInvoice>

ZUGFeRD

ZUGFeRD ist kein eigenes XML-Format.

Es besteht aus:

  • einem PDF/A-3
  • einer eingebetteten XML-Datei

Seit ZUGFeRD 2.x ist diese XML immer eine CII-Datei.

Also:

PDF
 └── embedded XML
      └── CII

Der Empfänger kann:

  • das PDF lesen
  • oder direkt die XML automatisiert importieren.

Das ist der ganze Charme des Hybridformats: menschenlesbar und maschinenlesbar in einer einzigen Datei.

Factur-X

Factur-X ist praktisch der französische Bruder von ZUGFeRD.

Genauer gesagt: Factur-X und ZUGFeRD 2.x verwenden dieselbe technische Spezifikation.

Sie unterscheiden sich hauptsächlich im Namen und der Vermarktung:

  • Frankreich → Factur-X
  • Deutschland → ZUGFeRD

Technisch sind sie kompatibel.

Auch hier:

PDF/A-3
 └── embedded CII XML

Warum gibt es überhaupt UBL und CII?

Die europäische Norm EN16931 schreibt nicht ein bestimmtes XML-Format vor.

Sie definiert lediglich:

  • welche Felder vorhanden sein müssen
  • welche Geschäftsregeln gelten
  • welche Berechnungen korrekt sind

Für die Umsetzung erlaubt die EN16931 zwei XML-Syntaxen:

  • UBL
  • CII

Beide können dieselbe Rechnung beschreiben. Genau deshalb existieren zwei Welten nebeneinander – nicht aus Willkür, sondern weil die Norm es zulässt.

Was nutzt Deutschland?

In Deutschland sind heute üblich:

  • XRechnung → meist CII, teilweise auch UBL
  • ZUGFeRD → immer CII
  • Factur-X → immer CII

Was nutzt Peppol?

Peppol BIS Billing verwendet standardmäßig:

  • UBL

Darum setzen viele europäische E-Invoicing-Plattformen auf UBL.

Übersicht

                    EN16931

        ┌───────────────┴───────────────┐
        │                               │
      UBL XML                       CII XML
        │                               │
        │                         ┌─────┴─────┐
        │                         │           │
     Peppol                   ZUGFeRD     Factur-X
                                 │           │
                          PDF/A-3 + XML  PDF/A-3 + XML

Praxis-Bonus: ZUGFeRD-XML per Report-Extension einbetten

So weit die Theorie. Aber wie entsteht so ein Hybridformat konkret in Business Central? Ganz einfach: Sie erweitern Ihren eigenen Bericht. Die folgende Report-Extension hängt beim PDF-Export automatisch die ZUGFeRD-XML an die gebuchte Verkaufsrechnung an – und macht aus einem gewöhnlichen PDF genau das PDF/A-3 mit eingebetteter CII-XML, über das wir oben gesprochen haben:

reportextension 50000 "PTE Posted Sales Invoice" extends "Standard Sales - Invoice"
{
    trigger OnPreRendering(var RenderingPayload: JsonObject)
    begin
        AddXMLAttachmentforZUGFeRDExport(RenderingPayload);
    end;

    local procedure AddXMLAttachmentforZUGFeRDExport(var RenderingPayload: JsonObject)
    var
        ExportZUGFeRDDocument: Codeunit "Export ZUGFeRD Document";
    begin
        if CurrReport.TargetFormat() <> ReportFormat::PDF then
            exit;

        if not ExportZUGFeRDDocument.IsZUGFeRDPrintProcess() then
            exit;

        ExportZUGFeRDDocument.CreateAndAddXMLAttachmentToRenderingPayload(Header, RenderingPayload);
    end;
}

Der Clou steckt im Trigger OnPreRendering: Die XML wird nur eingebettet, wenn es sich wirklich um einen ZUGFeRD-Druckprozess im PDF-Format handelt (CurrReport.TargetFormat() = ReportFormat::PDF). Andernfalls bleibt der Bericht unverändert. Genau das ist die Eleganz, für die wir brennen – ein paar Zeilen AL, und Ihre Standardrechnung spricht plötzlich ZUGFeRD.

Damit der Compiler die Codeunit Export ZUGFeRD Document überhaupt findet, braucht Ihre App eine Abhängigkeit auf die Microsoft-App E-Document for Germany. Ergänzen Sie dazu in Ihrer app.json den folgenden Eintrag unter dependencies:

{
	"id": "fdeb586e-beff-49d8-947d-1e73ce980b34",
	"name": "E-Document for Germany",
	"publisher": "Microsoft",
	"version": "27.0.0.0"
}

Der BEYONDIT-Blick: Konzept schlägt Abkürzung

Sobald Sie das Konzept verstanden haben, verlieren die Abkürzungen ihren Schrecken. Merken Sie sich nur diese zwei Achsen:

  1. Reines XML (UBL, CII) oder Hybrid aus PDF + XML (ZUGFeRD, Factur-X)?
  2. Welche XML-Syntax steckt darin – UBL oder CII?

Alles andere ergibt sich daraus. ZUGFeRD und Factur-X sind technisch dasselbe. Peppol denkt in UBL. Deutschland denkt in CII. Und über allem thront die EN16931, die beide Syntaxen erlaubt.

Genau an dieser Stelle wird aus Theorie Praxis – und genau dort tüfteln wir am liebsten. Wer XML-Rechnungen nicht nur empfangen, sondern auch lesbar machen will, findet in unserem Open-Source E-Invoice Viewer für Business Central den passenden Begleiter. Und wenn Sie XRechnung und ZUGFeRD sauber in Business Central einrichten möchten, haben wir das in einem eigenen Beitrag Schritt für Schritt beschrieben.

Die Formate sind kein Hexenwerk – man muss sie nur einmal richtig einordnen.

Sie stehen vor der Frage, welches Format für Ihre Kunden, Behörden oder europäischen Partner das richtige ist? Wir haben schon viele dieser Knoten gelöst – lassen Sie uns sprechen.

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